PL / HD / LCP
Die Patellaluxation
Auf die durch Unfall erworbene Patellaluxation, die hauptsächlich größere Rassen betrifft, wird in diesem Aufsatz nicht weiter eingegangen. Die Patellaluxation (PL), bzw. die Verlagerung der Kniescheibe, die hauptsächlich Klein- und Zwerghunde jeder Rasse und Hunde mit steiler Hinterhand wie Chow-Chows betrifft, ist ein erblicher Defekt. Die Kniescheibe ist bei den betroffenen Hunden luxierbar, d.h. sie verbleibt nicht am vorgesehen Platz, sondern verlagert sich durch leichten Druck oder ganz von selbst nach außen oder innen (lateral/medial). Dieser Zustand kann vorübergehend oder dauerhaft auftreten, manchmal Lahmheit und Schmerzen verursachen, meist aber nicht, und oft sogar symptomlos bleiben.
Zur Befundung werden die Kniegelenke von zertifizierten Patella-Untersuchern manuell im Stehen und Liegen abgetastet und der Hund im Laufen bewertet. Röntgenaufnahmen des Kniegelenkes sind zur Diagnose und Gradeinteilung nicht geeignet, sie sollten aber angefertigt werden, wenn eine Operation in Erwägung gezogen wird, um die richtige Operationsmethode festzulegen.
Die PL wird in 4 Grade eingeteilt, als PL 0 bezeichnet man Hunde, die frei von Patellaluxation sind.Grad 1: Es besteht eine habituelle (wiederkehrende) Luxation, durch Druck kann die Kniescheibe in Beuge- und Streckbewegung luxiert werden, sie gleitet bei nachlassendem Druck aber spontan in die Trochlea ossis femoris (Patellagleitlager/ Rollfurche) zurück. Grad 2: Die Patella kann durch den Untersucher oder das Tier selbst bei gestrecktem Knie luxiert werden – sie gleitet nicht selbständig, sondern durch aktiven Druck oder passive Beugung oder Streckung des Kniegelenks in die Rollfurche zurück. Grad 3: Die Kniescheibe ist permanent nach medial oder lateral luxiert, durch Druck kann sie in das Gleitlager zurückverlagert werden, bei nachlassendem Druck reluxiert die Patella wieder in ihre Ausgangsstellung. Grad 4: Die Patella ist permanent stationär luxiert, eine Reposition ist nicht möglich. Anatomische Ursachen für die Verlagerung der Kniescheibe sind Mangelhaft bis gar nicht ausgebildete Patellagleitlager/Rollfurche, bzw. zu wenig hohe Rollkämme, d.h. das Gleitlager, in der die Kniescheibe hin- und herbewegt wird, ist nicht tief genug. Zu kleine oder zu große Kniescheibe, die nicht richtig in die Rollfurche passt. Achsenfehlstellungen der Hinterbeine (O- und X). Dadurch wird die Kniescheibe bei Bewegung schräg zur Rollfurche gezogen, wodurch es auf Dauer zu Überdehnung der Seitenbänder kommt. Bei 0-Beinen springt die Kniescheibe nach innen und bei X- Beinen nach außen heraus. Durch obige Fehler kann es zu einer falschen Zugrichtung des Musculus quadriceps femoris (der aus vier Muskelsträngen besteht) kommen, was zur Verlagerung der Kniescheibe führt. Falscher Muskelansatzpunkt. Mangelhafte Muskulatur. Schäden an Hüfte und/oder Wirbelsäule treten nicht selten in Kombination mit insbesondere schwerer Patellaluxation auf, wobei nicht immer zu klären ist, ob das eine die Folge des anderen ist oder umgekehrt, daher sollten immer auch Hüfte und Wirbelsäule bei der Untersuchung gründlich miteinbezogen werden. Schwaches Bindegewebe, dadurch Ausleiern der Bänder/Sehnen und Gelenkskapsel, und fehlender Halt für die Kniescheibe.
Studienergebnisse Bei Zwerghunden hat man jahrelang auf Hündinnen selektiert, die leichte Geburten haben, was durch ein weiches Bindegewebe begünstigt wird. Leider ist ein schwaches Bindegewebe mit eine Ursache für Patellaluxation. Jede Läufigkeit und Trächtigkeit führt zur mehr oder weniger vorübergehenden oder dauerhaften Bindegewebserweichung. Jedoch führt auch Kastration zu einem Erkrankungsanstieg um 3,6 % wie eine österreichische Studie ergab. Die Ursachen für dieses Phänomen, bedürfen weiterer Studien. Einen gewissen Einfluss auf den prozentualen Anstieg könnte ggf. Übergewicht infolge der Kastration haben, das fortgeschrittene Alter oder auch ein veränderter Stoffwechsel.
Man könnte nun meinen, Rüden sind aufgrund der fehlenden hormonellen Schwankungen nicht so häufig betroffen wie Hündinnen und hätten höchstens nur leichte Patella, die nicht zur Verschlechterung neigt. Doch die Statistik zeigt überraschenderweise, dass dies nicht so ist. Fast die Hälfte der zur Zweituntersuchung vorgestellten Rüden wiesen eine Verschlechterung auf. Auch die österreichischen Studie aus dem Jahr 2005 weist keine signifikanten Unterschiede bei den Geschlechtern auf.
Weiter ging daraus hervor, dass Rüden genauso an PL erkranken, wie Hündinnen, nur dass es bei Ihnen etwas länger dauert, bis die PL manifest wird, d.h. untersucht man alle Rüden und Hündinnen im Alter von 3 - 4 Jahren, fällt auf, dass genau so viele Rüden an PL leiden, wie Hündinnen. Fast die Hälfte der zur Zweituntersuchung vorgestellten Rüden wiesen eine Verschlechterung auf. Demzufolge ist es nicht richtig anzunehmen, dass PL, die nach dem 2. Lebensjahr auftritt lediglich aufgrund der hormonellen Auswirkungen bei Zuchthündinnen “erworben” ist. Vielmehr kann man höchstens davon ausgehen, dass Hormone bei der Hündin dazu führen, dass PL bei diesen früher auftritt als beim Rüden. Daher wäre es wichtig, zumindest Rüden im Alter von mindestens 3 Jahren noch einmal zu untersuchen. Da sich Rüden wesentlich häufiger reproduzieren, als Hündinnen - eine Hündin kann rein theoretisch max. zwei Mal im Jahr belegt werden, ein Rüde "kann" das ganze Jahr - ist eine besonders gründliche und häufige Nachuntersuchung gerade der Rüden meines Erachtens unverzichtbar.
Behandlung
Trotzdem sind dies erstmal alarmierende Zahlen, man muss dabei aber berücksichtigen, dass die überwiegende Zahl der PL-Fälle lediglich leichten Grades sind und nur wenige davon
überhaupt wirklich ein Krankheitsbild zeigen, das einer Behandlung bzw. einer Operation bedarf. Bedenken sollte man auch, dass es zum Teil operationswütige Tierärzte gibt, die bereits eine PL 1 völlig unnötiger Weise operieren und damit das Tier dem Risiko aussetzen, nach der OP schlechter zu laufen als vorher, womöglich irreversibel. Eine zweite Meinung eines Spezialisten einzuholen ist in jedem Fall ratsam, auch sollte, wenn operiert werden muss, nur von einem Spezialisten operiert werden.
Auch wenn es trotz dem hohen Befall relativ wenige behandlungsbedürftige PL-Fälle gibt, ist dies längst kein Grund, sich zurückzulehnen als Züchter. Kein Züchter kann heute garantieren, nur PL-freie Welpen (bis ins Alter) zu züchten, höchstens, dass der Hund zum Zeitpunkt der Übergabe patellaluxationsfrei ist und seine Zuchttiere ebenfalls. Selbstverständlich sollte man als Züchter bestrebt sein, Verpaarungen möglichst so zu wählen, dass Elterntiere und möglichst viele Ahnen bis ins hohe Alter patellaluxationsfrei sind oder waren und dass man nach den heutigen Erkenntnissen sein Möglichstes tut, um Nachwuchs zu züchten, der keine Probleme mit der Kniescheibe bekommt, dies fordert übrigens auch das Qualzuchtgesetz. Leider ist es aber so, dass selbst patellaluxationsfreie Eltern, Großeltern etc, keine garantiert patellaluxationsfreie Welpen zeugen, wie ja auch die Studien an den schweizerischen Papillons ergeben hat. Die Bezeichnung "patellaluxationsfreie Zucht" kann sich daher lediglich immer nur darauf beziehen, dass der Zuchtbestand patellaluxationsfrei ist zum Zeitpunkt der Untersuchung.
Es wäre vermutlich wichtig zu unterscheiden, ob es sich um eine knochenbedingte Ursache für die PL handelt oder eine rein bindegewebliche Ursache, was allerdings oft nicht leicht zu differenzieren ist und nicht selten auch als Mischform vorliegt. Eine rein bindegewebliche Ursache scheint keine schweren Formen von PL zu verursachen, die operiert oder behandelt werden müssen. Die Hunde zeigen in der Regel weder Schmerzen noch Lahmheiten, sind nicht im Bewegungsablauf beeinträchtigt.
Eine Operation von Hunden mit PL, die keine Schmerzen verursacht, ist nach Ansicht einiger Experten zumindest bei leicht gebauten Kleinhunden falsch. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass man nur dann operieren sollte, wenn der Hund deutlich an Schmerzen leidet, da man ansonsten Gefahr läuft, dass der Hund nach der Operation mehr beeinträchtigt ist, als zuvor. Das gelegentliche Liften des Beines bei sonst vergnügtem Herumtoben und Springen ist nicht zwangsläufig ein Zeichen von Schmerzen, sondern meist nur eine kurzfristige schmerzlose Blockade des Gelenkes, sofern der Hund ansonsten unverändert lauf- und sprungfreudig ist. Leicht gebaute Zwergrassen entwickeln aufgrund ihres geringen Gewichtes bei genügend Bewegung (wer rastet, der rostet) kaum Arthrosen, eine vorbeugende OP ist daher nicht vorbehaltlos zu empfehlen, sondern immer im Einzelfall sehr gründlich und gewissenhaft abzuwägen. Allerdings ist dies bei schwergewichtigen Rassen und übergewichtigen Hunden anders zu bewerten, ein Mops muss ggf. durchaus schon bei einer leichten PL operiert werden, um einer Arthrose vorzubeugen. Insbesondere junge Hunde, die noch im Wachstum sind, laufen bei voreiliger Operation Gefahr, dass diese nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt ist, da sich durch das Wachstum wieder Veränderungen an Knochen, Muskulatur und Bändern ergeben können. Außerdem ist es bei lebhaften Junghunden auch problematisch, die zwingend nötige Schonung nach der OP strikt einzuhalten, was ebenfalls den Erfolg der OP gefährdet. Auch bei alten Hunden, die bereits an Herz etc. erkrankt sind, sollte man gut abwägen, ob der Nutzen vor dem Schaden steht und man ggf. nicht mit einer konservativen Therapie besser fährt. Ebenso ist nicht unerheblich, ob es sich um eine gravierende Achsenfehlstellung handelt, oder nur um leichte, die sich ggf. im weiteren Wachstum bei richtiger Ernährung und Auslauf noch ausgleichen kann. Ob also eine Operation notwendig ist, richtet sich nach Schmerzzustand, Alter und den anatomischen Gegebenheiten.
Als Operationsmethoden kämen Gelenkkapselraffung, Vertiefung des Patellagleitlagers, Korrektur der Achsenfehlstellung, eine Verlegung des Muskels quadrizeps femoris etc. und Kombinationen daraus in Frage. Die Nachsorge sollte strikt nach den Anweisungen des Tierarztes erfolgen, zusätzlicher gezielter Muskelaufbau (Bergauflaufen, schwimmen) zu gegebener Zeit in Absprache mit dem Tierarzt ist ratsam. Von der Gabe von Hormonen/Anabolika zum Muskelaufbau möchte ich abraten, da die Nebenwirkungen und Spätfolgen nicht überschaubar sind.
Um einer OP vorzubeugen, kann man Hündinnen zum Zeitpunkt der Läufigkeit und (Schein-) Trächtigkeit täglich einen Teelöffel Kieselerde unter das Futter mischen und Übergewicht tunlichst vermeiden. Bei bestehender leichter Patellaluxation kann man mit Grünlippmuschelextrakt, Gelatine, Glukosamine, MSM und Chondroitin einer Arthrose und schmerzhaften Gelenksveränderungen vorbeugen.
Ursachen
Die Ursachen für eine Patellaluxation sind zum Großteil genetischer, zum Teil aber auch umweltbedingter Natur. Eine Kombination aus beiden Faktoren (Gene und Umwelt) ist selbstverständlich möglich und evtl. auch für die besonders schweren Fälle mitverantwortlich.D.h. eine Bindegewebsschwäche kann genetischen Ursprungs sein, ebenso aber eine Folge falscher Ernährung und falscher Haltung. Ein mangelhaft ausgebildeter Rollkamm kann genetischen Ursprungs sein, ebenso
aber eine Folge mangelhafter Ernährung oder falscher Haltung während des Wachstums. Ein X- oder O-Bein kann ebenso genetischen Ursprungs sein, aber auch eine Folge aus mangelhafter Ernährung und falscher Haltung während des Wachstums.Vererbung
Doch auch wenn oben genannte Maßnahmen wichtig sind, um die Entstehung oder Verschlechterung von PL zurückzudrängen, so sind doch die Selektionsmaßnahmen, die der Züchter zu ergreifen hat, das A und O bei der bei Kämpfung der erblichen PL, denn die genetische Komponente ist mit ca. 50 % (h⊃2;) sehr hoch. In der Schweizer Studie der Universität Bern hat man für Papillons festgestellt, dass eine Heritabilität, also eine Erblichkeit von ca. h⊃2; vorliegt, was im Klartext bedeutet, dass 50 % genetischen Ursprungs sind, andererseits aber 50 % umweltbedingt. Dieser Erblichkeitsanteil ist im Vergleich zu anderen Erbkrankheiten sehr hoch (im Vergleich dazu liegt die Erblichkeit von HD nur bei ca. 25 % je nach Rasse) was gleichzeitig bedeutet, dass es auch sehr gut selektierbar wäre, wenn man denn nur die richtigen Selektionsmaßnahmen ergreifen würde und zwar unter Berücksichtigung der Veränderbarkeit der Befunde mit zunehmendem Alter. Im Gegensatz zur HD, wo man seit kurzem ein Hauptgen verantwortlich macht, ist bei PL nach den bisherigen Erkenntnissen der Experten nicht von einem Hauptgen auszugehen, sondern nach wie vor von einem polygenetischen rezessiven Erbgang mit Schwellenwertcharakter, wobei man nicht weiß, wie viele Gene beteiligt sind. D.h. man nimmt als Denkmodell an, dass die Patellaluxation nur dann auftritt, wenn auch der Partner die gleichen Gene weiter gibt, so dass es zu homozygoten Genpaaren unbestimmter Anzahl kommt und gleichzeitig ein unbekannter Schwellenwert
überschritten wird. Unter Schwellenwert versteht man, dass es einer bestimmten Anzahl homozygoter Genpaare bedarf, damit die Patellaluxation in Erscheinung tritt, wobei auch niemand weiß, welchen Wert die Schwelle hat. Z.B. könnten „hypothetisch“ 30 Gene für PL verantwortlich sein, der Schwellenwert könnte bei 20 liegen, das würde bedeuten, dass bei 19 gleichen Genpaaren noch keine PL hervorgerufen wird, obwohl 19 Genpaare im Tier angelegt sind, die PL auslösen könnten, sobald ein weiteres Genpaar hinzutritt, d.h. erst ab 20 Genpaaren träte PL in Erscheinung (die Zahlen sind willkürlich gewählt). Das erklärt dann auch, warum es mehrere Generationen ohne PL geben kann und plötzlich dann doch wieder ein PL-Fall in den Nachkommen auftritt.
Hätten wir nur noch Hunde, die nicht schlechter als PL 1 befundet wären, könnten wir uns wahrlich glücklich schätzen. Es ist also keinerlei Grund vorhanden, mit dem Finger auf Züchter zu zeigen, die Hunde mit PL leichten Grades in ihrer Nachzucht hatten, oder solche Hunde in der Zucht belassen, sofern diese tatsächlich auch im fortgeschrittenen Alter stabil bleiben und gewissenhaft verpaart werden. Denn nur so lässt sich bei den meisten Rassen der genetische Flaschenhals vermeiden, der gravierendere Erbkrankheiten unweigerlich mit sich bringen würde. Bei den meisten Rassen ist ein Züchter, der auch mit leichtgradiger PL züchtet nicht per se schlechter, als der, der nur mit PL 0 Hunden züchtet, den der erste trägt ebenso dazu bei, dass die Rasse gesund erhalten wird, indem er den genetischen Flaschenhals vermeiden hilft. Und ein Züchter, der auf Dauer striktest nur Pl 0 Hunde in der Zucht einsetzt, wird über kurz oder lang mit Inzuchtproblemen zu kämpfen haben (Literaturempfehlungen dazu: Wachtel, Stur, Eichelberg)
Es liegt also ein harter Weg vor uns Züchtern, der nur in gemeinsamer Arbeit zu meistern ist. Wir sollten uns nicht "nur" von “hochtypischen Köpfchen”, Fell und Farben blenden lassen und die offene und ehrliche Diskussion und Erfahrungsaustausch suchen, dann würde man feststellen, dass im Grunde jeder mit dem selben Problem kämpft und bräuchte sich gegenseitig kein Theater vorspielen.
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Die Hüftdysplasie oder Hüftgelenksdysplasie (HD)
ist eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Betroffen sind sämtliche Hunderassen, wobei großwüchsige Rassen das Krankheitsbild besonders häufig ausbilden. Erstmalig diagnostiziert wurde sie am Deutschem Schäferhund, weshalb diese Krankheit fälschlicherweise hauptsächlich mit dieser Rasse in Verbindung gebracht wird, obwohl mittlerweile andere Rassen stärker betroffen sind. Die Häufigkeit des Vorkommens (Prävalenz) beträgt je nach Rasse vier bis etwa 50 Prozent.
Die HD ist zu großen Teilen genetisch bedingt. Da falsche Ernährung und Haltung die Entstehung und das Fortschreiten der Krankheit begünstigen können, spricht man von einem multifaktoriellen (von vielen Faktoren abhängigen) Geschehen.
Röntgenaufnahme einer HD beim Hund. Röntgenaufnahme einer HD beim Hund. Der Femurkopf ist bereits subluxiert, das Acetabulum (Hüftgelenkspfanne) umgreift ihn nicht mehr (rote Pfeile). Die Femurköpfe zeigen bereits Abweichungen von der Halbkugelform (gelbe Pfeile); rechts im Bild sind deutliche arthrotische Veränderungen des Femurkopfes erkennbar.
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Morgan-Linie
Ein wesentliches Auswertungskriterium ist der Norberg-Winkel. Er ist als der Winkel definiert, der zwischen dem Zentrum des Oberschenkelkopfes und dem vorderen Pfannenrand abgetragen wird (siehe Abbildung). Bei einem HD-freien Tier sollte er mehr als 105° betragen (rote Linien). Weitere Kriterien zur Beurteilung sind die Kongruenz von Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne, die Weite des Gelenkspaltes, die Pfannenkontur, die Kontur des Oberschenkelkopfes sowie das Vorhandensein von Hinweisen auf arthrotische Prozesse wie walzenförmige Verdickungen des Oberschenkelhalses, Randwülste an der Gelenkpfanne, unter dem Knorpel befindliche Verdichtungen der Knochensubstanz im Pfannenbereich und die Einlagerung von Knochenmaterial am Ansatz der Gelenkkapsel (Morgan-Linie).
Die züchterische Auswertung von HD-Aufnahmen ist nur durch von den Rassezuchtverbänden zugelassene Gutachter möglich, an die der Tierarzt die Röntgenbilder einschickt.
Schweregrade
Üblicherweise wird zwischen fünf verschiedenen Schweregraden unterschieden. Die Angaben in Prozent beziehen sich auf eine Untersuchung von 3749 Hunden in den Jahren 1991-1994 in der Schweiz und geben die Verteilung der Hunde auf die verschiedenen HD-Grade an.
HD-SchweregradeA HD-FreiIn jeder Hinsicht unauffällige Gelenke, Norberg-Winkel 105° oder mehr. Manchmal noch A1 wenn der Pfannenrand den Oberschenkelknochen noch weiter umgreift.25% BHD-VerdachtSchenkelkopf oder Pfannendach sind leicht ungleichmäßig und der Norberg-Winkel beträgt 105° (oder mehr), oder Norberg-Winkel kleiner als 105° aber gleichförmiger Schenkelkopf und Pfannendach.33% CLeichte HDOberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind ungleichmäßig, Norberg-Winkel 100° oder kleiner. Eventuell leichte arthrotische Veränderungen.27% DMittlere HDOberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind deutlich ungleichmäßig mit Teilverrenkungen. Norberg-Winkel größer 90°. Es kommt zu arthrotischen Veränderungen und/oder Veränderungen des Pfannenrandes.11% ESchwere HDAuffällige Veränderungen an den Hüftgelenken (beispielsweise Teilverrenkungen), Norberg-Winkel unter 90°, der Pfannenrand ist deutlich abgeflacht. Es kommt zu verschiedenen arthrotischen Veränderungen.4% Bisweilen werden die Grade A-D noch in A1 und A2, B1 und B2, C1 und C2 sowie D1 und D2 aufgeteilt.
Differentialdiagnosen
Diagnostisch muss eine Hüftgelenksdysplasie von anderen Störungen des Skelettsystems abgegrenzt werden. Neben Knochenbrüchen und Luxationen sind dies bei großen Hunderassen vor allem Tumore der Knochen, welche im Bereich des Femurs relativ häufig auftreten. Bei kleinwüchsigen Tieren muss die aseptische Femurkopfnekrose (Legg-Calvé-Perthes-Krankheit) abgegrenzt werden. Weiterhin treten bei schnellwachsenden Hunden häufig Ablösungen des Gelenkknorpels auf (Osteochondrosis dissecans), die ebenfalls schmerzhaft sind. Ferner sind Erkrankungen des Kniegelenks (z. B. Kreuzbandriss), Beckenbrüche und Erkrankungen der Wirbelsäule (Bandscheibenvorfall, vor allem bei kleinen Hunderassen) sowie Instabilität am Lenden-Kreuzübergang der Wirbelsäule (Cauda-equina-Syndrom, häufiger beim Deutschen Schäferhund) auszuschließen.
Behandlung
Man kann HD nicht heilen, sondern nur das Auftreten klinischer Symptome und das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern oder die Schmerzen reduzieren. Je häufiger der Hund bestimmte Bewegungsabläufe ausführt, desto schneller verschleißt die Hüfte. Zu diesen Bewegungen gehören vor allem jene, die die Gelenke besonders stauchen, wie Treppenlaufen, Springen auf harten Untergründen und ähnliche. Man kann dem Hund mit frühzeitigem Erkennen und richtigem Umgang mit der Krankheit ein normales Leben ermöglichen.
Es gibt folgende Behandlungsmöglichkeiten:Medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Antiphlogistika) PIN-Operation: Durchtrennung oder Entfernung des Musculus pectineus sowie Umschneiden des Gelenkkapselrandes zur Unterbindung der schmerzleitenden Nervenfasern. Dies ist eine sehr effektive Schmerztherapie, deren Wirkung mehrere Jahre anhält. Kapselraffung: Hierbei wird die Gelenkkapsel chirurgisch gestrafft. Die Operation ist nur bei jungen Tieren sinnvoll, wenn noch keine deutlichen Abnutzungserscheinungen aufgetreten sind und verhindert die Subluxationen und damit ein Fortschreiten der Erkrankung.[1] Osteotomie des Beckens: Dazu werden alle drei Beckenknochen (Darmbein, Sitzbein und Schambein) durchtrennt, das Becken etwas zur Seite gekippt und die Knochen anschließend wieder durch Osteosynthese verbunden. Ziel ist es, dass der Oberschenkelkopf wieder besser zur Hüftgelenkspfanne steht. Diese Operation ist aufwändig und nur bei jungen Hunden anzuraten, bei denen noch keine sichtbaren Veränderungen an der Gestalt des Femurkopfs im Sinne einer beginnenden Arthrose bestehen. Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes ist eine sehr kostenintensive Behandlung. Nach der Operation kann der Hund sehr alt werden. Es ist wichtig, den Hund beim anschließenden Muskelaufbau (viel Bewegung) zu unterstützen. Laufen am Fahrrad und Schwimmen sind ideal. Gute Resultate hat man auch mit der zusätzlichen Medikation von Muskelaufbaupräparaten. Femurkopfresektion: Dabei wird der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens (Caput ossis femoris) entfernt, worauf sich eine bindegewebige Verbindung zwischen Becken und Oberschenkelknochen entwickelt. Verbunden mit intensiver Physiotherapie bietet diese Methode gute Chancen, ein schmerzfreies Leben zu führen. Häufig bleibt durch diese Behandlungsmethode jedoch eine dauerhafte Funktionsstörung zurück. Einsetzen von einem oder mehreren Goldstiften in die Muskulatur an Akupunkturpunkten. Die Goldstifte verbleiben in der Muskulatur. Diese Behandlungsmethode ist in den Bereich der Alternativmedizin einzuordnen, ihre Wirksamkeit ist nicht belegt. Vorbeugung
Eine Verhinderung des Fortschreitens kann durch richtige Ernährung und nicht zu viel Sport – vor allem durch wenig Belastung und das Vermeiden von Stauchen und Überdehnen des Hüftgelenkes – erreicht werden. Eine Physiotherapie kann durch den gezielten Aufbau der Becken- und Oberschenkelmuskulatur das Hüftgelenk entlasten. Die Zugabe von knorpelaufbauenden Zusatzfuttermitteln ist ebenfalls möglich.
Zur Vermeidung der Weitervererbung der Fehlbildung ist bei den meisten Hundezuchtverbänden eine Bescheinigung der HD-Freiheit zur Zuchtzulassung erforderlich. Aber auch die Paarung aus HD-freien Elterntieren bietet keine Garantie, dass die Nachkommen HD-frei sind. Viele Zuchtverbände wenden bei der Selektion auch eine Zuchtwertschätzung an.
Quelle Wikipedia
Hüftkopfnekrose
Legg Calve Perthes
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Femur- oder Hüftkopfnekrose ist eine Erkrankung, die durch ein Absterben eines Teils des knöchernen Oberschenkelknochenkopfes gekennzeichnet ist. Ursache ist eine verminderte Durchblutung, die zu einer Nekrose führt. Passiert das beim Kind, wird die Erkrankung Morbus Perthes genannt. Die Erkrankung tritt besonders beim Menschen und bei Haushunden auf.
Beim Erwachsenen sind die genauen Ursachen nicht restlos geklärt, gehäuft treten Hüftkopfnekrosen bei Diabetes mellitus und beim Alkoholismus auf. Auch eine längere Behandlung mit Antikoagulantien (Marcumar®) kann eine Knochennekrose zur Folge haben. Hüftkopfnekrosen können auch nach Verletzungen des Hüftkopfes auftreten. Man spricht dann von posttraumatischen Hüftkopfnekrosen. Typisch ist die Hüftkopfnekrose nach Abscherung des Hüftkopfes bei traumatischer Luxation der Hüfte.
MRT einer Hüftkopfnekrose rechts
Ohne ersichtliche Ursache, etwa einem Unfall, beginnt eine Hüfte plötzlich zu schmerzen. Die Beweglichkeit des Gelenkes schränkt sich ein, meistens ist die Innenrotation und Streckung gehemmt. Das normale Röntgenbild kann im ersten Stadium oft keine krankhaften Veränderungen zeigen, erst die Untersuchung mit dem MRT zeigt im frühen Stadium die Änderungen der Stoffwechsellage im erkrankten Knochen. Schreitet die Krankheit weiter fort, zeigen sich im noch lebendigen Teil des Knochens Umbauvorgänge, der Körper versucht, den abgestorbenen Teil abzuschotten. Der nekrotische Anteil des Hüftkopfes bricht schließlich zusammen, das Gelenk kann dann kaum noch belastet werden.
Von diesem Krankheitsbild unterscheidet sich die Coxarthrose destructive rapide (CDR), die einhergeht mit einer schnellen Zerstörung des Hüftkopfes und der Pfanne innerhalb von einigen Monaten mit den klinisch und diagnostisch gleichen Erscheinungsbildern.
Die Hüftkopfnekrose ist hingegen meist ein über die Jahre gehender Prozess, der oft erst spät erkannt wird.
Bei dem Bild handelt es sich um eine MRT-Darstellung einer Hüftkopfnekrose rechts (links vom Betrachter). Ein scharf abgegrenzter Bezirk des Knochens ist ödematös verquollen, die Grenzschicht ist besonders auffällig, hier setzt sich der Körper mit dem Krankheitsprozess auseinander. Das andere Hüftgelenk ist normal, hier ergibt sich ein einfacher Vergleich.
Therapie
Früher wurde meist mit wenig Erfolg versucht, den abgestorbenen Teil des Knochens auszuräumen, mit Spongiosa zu unterfüttern und somit wieder einen tragfähigen Hüftkopf zu erreichen. Ferner ist die vaskulär gestielte Knochenspanimplantation bei noch geringer Ausprägung von Hüftkopfnekrosezeichen im MRT und der Röntgenuntersuchung bei jüngeren Patienten noch eine sinnvolle Alternative zur Gelenkerhaltung vor der Möglichkeit einer Arthrodese, die operative Versteifung des Hüftgelenkes. Gerade bei jüngeren Patienten kann das sinnvoll sein, wenn diese Verbindung stabil ist. Das Bein ist dann zwar schlechter beweglich, aber uneingeschränkt belastbar. Inzwischen ist der operative Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes (Endoprothese) das Mittel der Wahl, um dem Erkrankten wieder ein belastbares Bein zu verschaffen.
Bei kleineren Hunden (<15 kg Körpermasse) bringt die chirurgische Entfernung des abgestorbenen Hüftkopfes häufig ausreichende klinische Besserung. Dabei bildet sich ein „Falschgelenk“, das dem Tier ausreichend Bewegung gestattet und weitgehende Schmerzfreiheit gewährleistet.
Legg-Calvé-Perthes Krankheit
Die Legg-Calvé-Perthes-Krankheit oder avaskuläre Nekrose des Oberschenkelkopfes ist eine Wachstumserkrankung, die meistens bei Kleinrassen auftritt. Die betroffenen Hunde sind zwischen 4 und 11 Monaten alt. Bei einem Achtel der betroffenen Hunde tritt die Krankheit in beiden Oberschenkelköpfen auf.
Mögliche Ursachen wie Durchblutungsprobleme, genetische Defekte, Infektionen, Trauma, Stoffwechsel oder hormonell bedingte Störungen werden bei den Hunden diskutiert, konnten aber bisher nicht belegt werden. Vererbt wird die Legg-Calvé-Perthes hingegen bei jungen Männern und bei gewissen Terrierrassen.
Die Nekrose führt nach einer gewissen Zeit zu einer Schwächung des Oberschenkelkopfes, dies führt dann zu einem Zusammenbrechen des Knochens und des Knorpels des Hüftkopfes. Die Form des Kopfes wird verändert und Arthrose bildet sich in der Hüfte.
Hunde mit der Krankheit zeigen zwischen 4 und 11 Monaten entweder ein plötzlich auftretendes starkes Hinken der Hinterbeine oder eine leichte Lahmheit, die nur ab und zu auftreten kann. Manchmal berichten die Besitzer auch von einem Sturz, die das Problem zum Vorschein brachte. Bei der orthopädischen Untersuchung wird eine Abnahme der Muskulatur am betroffenen Bein festgestellt und Schmerzen bei der Streckung der Hüfte können ausgelöst werden. Zusammen mit dem Röntgenbild des Hüftgelenkes wird dann die Diagnose dieser Wachstumserkrankung gestellt.
Mittels Ruhe und entzündungshemmenden Medikamenten kann nur in weniger als einem viertel der Hunde eine Besserung festgestellt werden. Die meisten Hunde werden deshalb chirurgisch behandelt, indem der nekrotische Oberschenkelkopf operativ entfernt wird. Narbengewebe bildet sich anschliessend zwischen Hüftpfanne und verbleibendem Oberschenkel und die Schmerzen verschwinden. Mittels unterstützender Physiotherapie wird das Bein schon nach kurzer Zeit wieder voll beweglich sein. Die meisten Hunde können so erfolgreich behandelt werden und wieder normal herumrennen.




