Impfempfehlungen für Hund und Katz
Impfungen sind unverzichtbare prophylaktische Maßnahmen, deren Bedeutung angesichts der zunehmenden Mobilität der Tierhalter und ihrer Schützlinge sowie des zunehmenden Reisetourismus noch an Bedeutung gewinnen. Sie sind oft der einzig wirksame Schutz gegen Virusinfektionen. Darüber hinaus haben sie teilweise sogar eine Bedeutung zum Schutz des Menschen gegen so genannte Zoonosen. Dabei handelt es sich um vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheiten.
Das Prinzip von Schutzimpfungen beruht darauf, den zu schützenden Organismus mit den entsprechenden Antigenen kontrolliert mehrfach in Kontakt zu bringen. Dies induziert die Bildung von Antikörpern sowie langlebigen Gedächtniszellen. Auf diese Weise wird der Organismus auf eine Auseinandersetzung mit dem natürlichen Erreger vorbereitet. Die Immunabwehr fällt dann bei einer tatsächlichen Infektion schneller und intensiver aus, da auf Grund des vorangegangenen Kontaktes mit dem Antigen und der bereits abgelaufenen primären Immunreaktion sofort die Sekundärreaktion ablaufen kann.
In letzter Zeit ist jedoch intensiv über die Notwendigkeit von Impfungen von Hunden und Katzen im Allgemeinen sowie über ein richtiges Impfmanagement diskutiert worden. Dabei wird von Seiten der Impfkritiker jedoch übersehen, dass die über viele Jahre verbreitete Impfpraxis in Deutschland und Europa und die damit einhergehende gute Kontrolle sowie die geringe Zahl von Erkrankungen eine solche Diskussion über die Notwendigkeit von Schutzimpfungen überhaupt erst möglich macht.
„Die Impfung ist Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden“, erklärt Professor Dr. Marian Horzinek vom Institut für Infektionskrankheiten und Immunologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Utrecht, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Vorsitzender des European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) die derzeitige Situation.
Da solche Diskussionen zur Verunsicherung von Tierhaltern beitragen, hat die Ständige Impfkommission vet. (StIKo vet.) aus aktuellem Anlass die „Deutschen Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis“ herausgegeben. Diese basieren auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen des Fachgebietes Immunologie, Virologie und Epidemiologie.
Sie entsprechen den zur Zeit in Deutschland geltenden Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission. Sie sind mit der Maßgabe entwickelt worden, die Zahl der Impfungen zwar so klein wie möglich, aber so groß wie nötig zu halten. So wird zwischen so genannten Pflichtimpfstoffen (Core-Vakzinen)und Wahlimpfstoffen (Non-Core-Vakzinen) unterschieden. Während die Pflichtimpfungen als absolutes „Muss“ zu verstehen sind, um die Hundepopulation vor verlustreichen Epidemien zu schützen, richtet sich die Notwendigkeit der Wahlimpfungen nach dem jeweiligen Infektionsrisiko, basierend auf ihren individuellen Haltungs- und Umweltbedingungen.
Was ist eine Schutzimpfung?
Bei Schutzimpfungen bekommt der Hund durch eine Injektion abgetötete oder abgeschwächte Keime verabreicht, auf die das Abwehrsystem des Körpers reagiert und Schutzstoffe (Antikörper) bildet. Die sog. Grundimmunisierung erfolgt durch eine Erstimpfung und einer Wiederholungsimpfung nach ca. 4 Wochen. Da die Schutzwirkung nach einiger Zeit wieder nachlässt, müssen jährlich Wiederholungsimpfungen vorgenommen werden. Nur so kann gesichert werden, dass ihr Hund dauerhaft geschützt ist.
Hier einige Informationen zu den ansteckenden Hundekrankheiten, gegen die eine Schutzimpfung zur Zeit möglich ist.
Die Hundestaupe:
Hierbei handelt es sich um eine Viruserkrankung, die Hunde aller Altersklassen befallen kann. Die Ansteckung erfolgt meist durch direkten Kontakt von Hund zu Hund, aber auch durch indirekt über Kleidung o.Ä. Das Krankheitsbild beginnt mit hohem Fieber, Augen- und Nasenausfluss und mit Nahrungsverweigerung. Der weitere Verlauf äußert sich, je nachdem, welches Organ am stärksten befallen ist. Man unterscheidet Nervenstaupe, Lungenstaupe oder Darmstaupe; aber es können auch alle Organe gleichzeitig befallen sein. Erkrankte Tiere sind kaum zu heilen. Die Krankheit ist für den Menschen glücklicherweise nicht ansteckend.
Die ansteckende Leberentzündung (HCC):
Auch hier handelt es sich um eine Viruserkrankung, die Hunde aller Altersklassen befallen kann und deren Ansteckung auf den gleichen Wegen erfolgt wie bei der Staupe. Ebenfalls zeigen die betroffenen Hunde als Krankheitssymptome Fieber, Nahrungsverweigerung und leiden an Bauchschmerzen. Besonders Welpen sterben häufig in dieser Phase. Bei älteren Tieren kann es im weiteren Verlauf zu Erbrechen, Durchfall, Mandel-, Rachen- und Bindehautentzündungen kommen. Die Behandlung erkrankter Tiere ist äußerst aufwändig und leider nicht immer erfolgreich. Auch diese Krankheit ist für den Menschen nicht ansteckend.
Die Leptospirose:
Diese Erkrankung ist auch unter dem Namen Stuttgarter Hundeseuche oder Weilsche Krankheit bekannt. Es handelt sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die auch für den Menschen gefährlich ist. Hunde, Ratten, Mäuse und andere Tiere gelten als Ansteckungsquellen. Auch verschmutzte Gewässer beherbergen das Bakterium. Die Krankheit beginnt oft mit abnormer Müdigkeit und schwankendem Gang, der besonders das Springen und Treppensteigen erschwert. Später kommt es zu Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall und zu Schädigung der Leber und Nieren.
Die Tollwut:
Es handelt sich um eine lebensgefährliche Krankheit, an der fast alle Säugetiere und Menschen erkranken können. Die Infektion erfolgt durch das Eindringen von Speichel in eine Wunde. Es greift das zentrale Nervensystem am und ruft Aggressivität, Wesensveränderungen und Lähmungserscheinungen hervor. Aufgrund der enormen Gefahr für den Menschen gehört Tollwut zu den anzeigepflichtigen Seuchen. Deshalb dürfen Hunde die unter Ansteckungsverdacht stehen nicht behandelt werden und müssen, außer das Tier ist nachweislich gegen Tollwut schutzgeimpft, unter amtstierärztliche Kontrolle gestellt oder sogar getötet werden.
Die Parvovirose:
Die Parvovirose ist eine besonders häufig auftretende Viruserkrankung. Vor allem treten Magen-Darm-Entzündungen auf, die sich in anfänglichen Fieber, Erbrechen und teils blutigem Durchfall äußern. Die Tiere fressen nicht und die Abmagerung und Austrocknung führt schließlich zum Tod. Die Krankheit kann allerdings auch innerhalb von wenigen Stunden zum Tod durch Herzmuskelentzündung führen.
Der Zwingerhusten:
Er ist eine Faktorenkrankheit, was heißt, dass mehrere Ursachen zum Ausbruch der Erkrankung beitragen. Zum einen verschiedene Erreger, zum anderen klimatische Bedingungen wie z.B. Feuchtigkeit und Durchzug. Auch hohe Besatzdichte, wie sie in größeren Zwingern und Tierheimen auftritt begünstigt die Ansteckung. Dies gab ihr auch den Namen. Die Erkrankung fängt meist mit Nasen- bzw. Augenausfluss und quälendem, trockenen Husten an, der sich ohne Behandlung zu einer Lungenentzündung entwickeln kann. Der Zwingerhusten ist selten tödlich, aber zieht meist eine wochenlange Behandlung nach sich.
Die Borreliose:
Hierbei handelt es sich um eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion. Oft beginnt die Krankheit erst Tage oder Wochen, nachdem die Zecke gesaugt hat. Krankheitssymptome sind Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber. Später kommt es dann zu typischen Gelenksentzündungen und daraus folgender Lahmheit. Es können auch Nervensystem, Herz und andere Organe geschädigt werden. Die Behandlung der Borreliose ist zwar möglich, aber langwierig.
Impfintervalle Hund
(Auszug aus den Impfempfehlungen des
Bundesverbandes praktizierender Tierärzte e.V.)
Core (Kern) - Komponenten gegen:
Staupe, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut
Grundimmunisierung
Als Grundimmunisierungen von Welpen gelten alle Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren. Im Alter von:
8 Lebenswochen: Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose
12 Lebenswochen: Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut
16 Lebenswochen: Staupe, Parvovirose, Tollwut (nicht unbedingt notwendig, aber empfohlen)
15 Lebensmonaten: Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut
In einem höheren Alter vorgestellte Tiere erhalten ihre Impfungen in denselben Abständen. Ab einem Alter von 12 Lebenswochen ist eine zweimalige Impfung im Abstand von 3 – 4 Wochen, gefolgt von einer weiteren Impfung nach 1 Jahr, für eine erfolgreiche Grundimmunisierung ausreichend.
Wiederholungsimpfungen
Wiederholungsimpfungen sind alle Impfungen, die nach abgeschlossener Grundimmunisierung erfolgen.
Tollwut:
In Deutschland gelten seit Änderung der Tollwutverordnung v. 20.12.2005 nunmehr die in den Packungsbeilagen genannten Wiederholungsimpftermine.
Staupe, Parvovirose:
Wiederholungsimpfungen ab dem 2. Lebensjahr in dreijährigem Rhythmus sind nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausreichend.
Leptospirose:
Jährliche Wiederholungsimpfungen (in Leptospiroseverseuchten Gebieten häufiger) sind zu empfehlen.
Non-Core-Komponenten gegen:
Bordetella bronchiseptica
– Bei Hunden in Phasen mit erhöhter Infektionsgefahr (viel Kontakt zu Artgenossen z. B. in Welpengruppen,Tierpensionen, Tierheimen, auf dem Hundeplatz etc. oder bei Kontakt zu anderen für Bordetella bronchiseptica (B. br.) empfänglichen Tierspezies wie Katzen).
– Die Impfung erfolgt mindestens 1 Woche vor einem zu erwartenden Kontakt mit B. br..
– Die Erstimpfung ist je nach Impfstoff ab einem Lebensalter von 2 bis 8 Wochen möglich.
Canines Parainfluenzavirus
– Bei Hunden in Phasen mit erhöhter Infektionsgefahr (viel Kontakt zu Artgenossen z. B. in Welpengruppen, Tierpensionen, Tierheimen, auf dem Hundeplatz).
– Die Impfung erfolgt 4 Wochen vor einem zu erwartenden Kontakt mit PI.
– Die Erstimpfung ist ab einem Alter von 8 Wochen möglich, gefolgt von einer zweiten Impfung 3 – 4 Wochen später.
Borrelia burgdorferi sensu lato
Der verfügbare Impfstoff enthält einen in Europa isolierten Stamm von Borrelia burgdorferi sensu stricto. In Deutschland gibt es jedoch vorwiegend andere Borrelien-Spezies, gegen die keine ausreichend schützende Kreuzimmunität induziert werden kann. Eine optimale Zeckenprophylaxe ist unerlässlich.
– Die Erstimpfung ist ab einem Alter von 12 Wochen möglich, gefolgt von einer zweiten Impfung 3 bis 5 Wochen später.
– Wiederholungsimpfung jährlich vor Beginn der Zeckensaison.
Eine serologische Untersuchung vor der Impfung ist anzuraten. Seronegative Tiere können geimpft werden, seropositive nur nach strenger Indikation.
Canines Herpesvirus (CHV-1)
– Der verfügbare Impfstoff wird entweder während der Läufigkeit oder 7 – 10 Tage nach dem angenommenen Decktermin verabreicht, gefolgt von einer zweiten Impfung 1 – 2 Wochen vor dem zu erwartenden Geburtstermin.
